Nasenreflexzonentherapie Allgemein

“Die Spannung steigt, der Drang wird groß — nur still! Gebt acht! Gleich bricht er los!... Hatschi! Wer schnupft und dieses hört, der findet es beneidenswert. Denn was die Seele dumpf umhüllt, wird plötzlich heiter, klar und mild. Ja, sehr erheitert uns die Prise, vorausgesetzt, daß man auch niese!

Wie treffend beschreibt Wilhelm Busch die befreiende Wirkung des Niesens mit obigen Versen. Doch es muss nicht immer der Schnupftabak sein. Auch mit ätherischen Ölen, die mit einem Wattestäbchen gezielt an bestimmten Stellen der Nase einmassiert werden, kann ein Niesreflex, Hustenreflex oder Tränenfluss ausgelöst werden.

Nasenmassage bei Leibschmerzen

Zwar nimmt die Nase im menschlichen Gesicht eine “hervorragende” Stellung ein, doch durch Nasenmassage z.B.: Unterleibserkrankungen zu heilen scheint ungewöhnlich. Schon um die Jahrhundertwende entdeckte jedoch der deutsche Gynäkologe Dr. Wilhelm Fliess, dass während der Menstruation bestimmte Stellen der Nasenschleimhaut besonders druckempfindlich sind. Umgekehrt konnten Schmerzen im Unterleib durch Betäuben oder längerfristig durch Verätzen dieser Stellen behoben werden. Auch heute noch wird diese Zone in der Nase bei Beschwerden der Beckenorgane (Gebärmutter, Eierstöcke, Hoden und Blase) mit ätherischen Ölen massiert.

Es ergaben sich noch drei weitere Zonen im Inneren der Nase, die reflektorisch über das vegetative Nervensystem mit anderen Körperteilen in Verbindung stehen:

  • die Leibzone, alle Bauchorgane umfassend,
  • die Kopfzone und
  • die Atmungszone.

Durch die Nase atmen

Dr. med. Niels Krack, früher Landarzt in Moringen bei Northeim, ver¬weist in seinem instruktiven Buch nachdrücklich auf die Bedeutung der Nasenatmung im Gegensatz zur Mundatmung.

Bei Schnupfen hat es jeder schon erlebt: kalte, verschmutzte und viel zu trockene Luft dringt dann in unsere Atemwege. Die Nase wärmt, rei¬nigt und befeuchtet die Atemluft nicht mehr und ist damit ihrer natür¬lichen Funktion enthoben. Ihre Schleimhäute und die in den Nebenhöhlen trocknen aus.

Nicht nur bei kurzfristigem Schnupfen, auch bei Polypen oder Wuche¬rungen atmet man meist längerfristig durch den Mund. Dauert dieser Zustand an, werden also Nase und angrenzende Hohlräume nicht mehr belüftet; damit erhöht sich die Infektionsgefahr, es können sich Herde bilden.

Niesen macht Gedanken klar

Auch mit dem Gehirn steht die Nase in enger Beziehung durch den Riechnerv, der als Teil des Gehirns bis in die Nase hinabreicht. So wer¬den die Gedanken nach gründlichem Schneuzen oder Niesen oft wieder klarer. Als Tipp gegen Müdigkeit in Veranstaltungen, bei Konzerten oder hinterm Steuer gibt Dr. Krack an, die Nasenschleimhaut zu befeuchten, notfalls mit Speichel, den man zwischen zwei Finger nimmt und einsaugt.

Das Atemholen steht auch in engem Zusammenhang mit unserem Kreislaufsystem. Im Atemholen weitet sich der Brustkorb, in den Venen entsteht Unterdruck, und das Blut kann leichter zum Herzen zurückströmen. Der Gasaustausch in der Lunge ist atmungsabhängig und bestimmt unsere Leistungsfähigkeit.

So komplex wie diese Abhängigkeiten, ist auch die Wirkung der ätherischen Öle, wenn sie einmal mit dem Watteträger vom Therapeuten gezielt an den Reflexpunkten einmassiert werden und sich zum anderen gleichzeitig in allen Hohlräumen des Kopfes ausbreiten, die durch kleine Löcher direkt mit der Nase in Verbindung stehen. Über die hinteren Nasenlöcher (Choanen) erreichen diese Öle den Rachen und die unteren Atemwege.

Verwendet werden meist Mischungen aus Pfefferminz-, Eukalyptus¬-, Zitronen-, Kamillen- und Arnika-Ölen. Diese wirken bakterientötend, schleimlösend und durchblutungsfördernd.

Die Reflexpunkte finden

Plötzliche Schmerzen während der Behandlung weisen oft auf versteckte Herde hin, die dann entsprechend behandelt werden müssen. Die Reflexpunkte aufzufinden, erfordert Fingerspitzengefühl und genaue Kenntnisse der Nase und ihrer drei Nasengänge, die durch dünne Knochenlamellen, die Nasenmuscheln, entstehen.

Längst nicht alle Krankheiten können „nasal“ behandelt werden. Oft aber kann die Reflextherapie bei unerklärlichen Kopfschmerzen, chronischer Neben- oder Stirnhöhlenvereiterung, Schmerzen bei der Periode usw. eine Hilfe sein. Eine erfolgversprechende Behandlung sollte mindestens eine Woche lang täglich durchgeführt werden.

Ein halbstündiger Spaziergang, ausgiebiges Niesen und anschließend eine milde Salbe oder Vaseline zur Beruhigung der Schleimhäute sollten jeder Anwendung nasaler Reflextherapie folgen.