Blutegeltherapie

Die Blutegeltherapie ist jahrtausendelang ein bei zahlreichen Krankheiten bewährtes Behandlungsverfahren. Zu manchen Zeiten galt sie sogar als eine der wichtigsten Methoden überhaupt. Das Prinzip besteht in einer Blutentziehung, die durch das Ansetzen von blutsaugenden Würmern erzielt wird. Man bezeichnet diese Würmer als Blutegel.

Wirkung am Knie

  • Blutverlust durch Saugen des Tieres (ca. 10ml.)
  • Blutverlust durch die nachfolgende Blutung (ca. 20-40ml.)
  • Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes
  • Lokale antientzündliche Wirkung durch mehrere Blutegelwirkstoffe :
  • Hirudin hemmt die Blutgerinnung, wirkt Nierenanregend und antibiotisch
  • Eglin hemmt Verdauungsenzyme
  • Bdellin ist ein Plasminhemmer
  • Hementin und Orgelase haben sorgen für eine erhöhte Durchblutung
  • Eine schmerzstillende Substanz unterbricht die Schmerzweiterleitung beim Saugen
  • Die Blutegelwirkstoffe blockieren insgesamt die bei Entzündungen oder Verletzungen aktivierten, oft überschiessenden, enzymatischen Vorgänge
  • Grundsätzlich gilt für alle Indikationen, dass zu mindest ein lokaler Füllezustand gegeben sein muss.

KOMPLIKATIONEN

  • Vom Egel sezerniertes (ausgeschiedenes) Histamin kann zu einer allergischen Reaktion führen, die sofort oder bis zu 4 Tagen verspätet auftritt.
  • Ein Erysipel nach Biss ist sehr selten
  • Eine kleine Narbe an der Bissstelle kann Wochen bestehen bleiben

KONTRAINDIKATIONEN

  • Hämorrhagische Diathesen (Bluter)
  • Hauterkrankungen an den Applikationsorten
  • AVK und diabetische Mikroangiopathie
  • Blutegel dürfen nur einmal verwendet werden und müssen danach entsorgt werden. Bei Tieren, die aus Zuchtanstalten geliefert werden, besteht kein Risiko einer Infektionsübertragung auf den Menschen.

INDIKATIONEN

  • Venöse Erkrankungen: (akute Thrombophlebitis, variköses Syndrom, PTS, Phlebothrombose)
  • Akuter Gichtanfall
  • Infektionen : Furunkel, Phlegmone und infizierte Insektenstiche
  • Gelenkarthrosen, v.a. Kniearthrose, Sprunggelenksarthrosen
  • Augenerkrankungen, v.a. Visusverschlechterungen im Alter, grauer und grüner Star, Glaukom, auch Netzhautblutungen
  • Ohrerkrankungen, Angina Pectoris, Herpes Zoster, Hämorrhoidalsyndrom und Analthrombose, akute und chron. Prostatis, Wundheilungsstörungen durch nachoperativen Lymphstau (Handchirurgie) oder infizierte Wunden, akute und chron. Osteomyelitis, Dupuytren’sche Kontraktur
  • Beeinflussung der Akupunkturpunkte und diverser anderer Reflexzonen

DER BLUTEGEL

In Deutschland wird heute nur Hirudo medicinalis, der „medizinische Blutegel“ (fälschlich auch als Blutigel bezeichnet) verwendet, in Amerika oder Asien auch andere Arten. Die Blutegel bilden eine Unterklasse der Ringelwürmer (Anneliden). Nahe Verwandte sind die Regenwürmer. Die Hirudineen werden unterteilt in Rüsselegel, Schlundegel und Kieferegel. Zu letzterem gehört der medizinische Blutegel. Er wird manchmal mit dem ebenfalls bei uns beheimaten „falschen Pferdeegel“ verwechselt, der aber nicht fähig ist, beim Menschen Blut zu saugen. Vom medizinischen Blutegel gibt es etliche Abarten, die sich in Färbung und Hautzeichnung unterscheiden und eine unterschiedliche regionale Verbreitung haben. Sie werden üblicherweise nach der Herkunftsgegend bezeichnet, z.B. als deutsche oder ungarische Blutegel.

„Der Blutegel ist eines der nützlichsten unter den wirbellosen Tieren“ schrieb der Augsburger Arzt Dr. Scheppach 1876,“und hat durch seine Fähigkeit zum Blutsaugen schon manches Menschenleben gerettet.“ Obwohl er in alten Zeiten so extensiv „für medizinische Zwecke fortwährend eingefangen wurde, ohne an dessen Nachzucht zu denken“. So dass er in heimischen Gewässern praktisch als ausgerottet galt und damals in Millionen Exemplaren aus Polen, Ungarn und der Walachei importiert werden musste, hat der unscheinbare Blutsauger mit dem wissenschaftlichen Namen Hirudo medicinalis in der Medizin bis in die heutige Zeit überlebt. Knipping und Loosen betonen den „unbestrittenen Wert“ der Blutegelbehandlung bei thrombophlebitischen Prozessen.