Immuntherapie

Die Bedeutung des Fiebers als grundlegender Mechanismus des Immunapparates wird durch den Nachweis unterstrichen, dass Endotoxine, die bei Infekten aus Bakterien oder Viren freigesetzt werden, auch durch die Fiebertherapie zur entscheidenden Immunaktivierung eingesetzt werden können. Bei einem chronisch kranken Patienten ist diese Immunkette unterbrochen bzw. die Immunkaskade abgeschwächt, sei es aus genetischen oder erworbenen Gründen. Auch immun- suppressive Tumorsubstanzen können mitwirken. Der Nachweis, dass Fieber via Interleukin-1, sowohl Interleukin-2, als auch andere Immunbotenstoffe freisetzt, wurde mittlerweile wissenschaftlich geführt und kann als gesichert gelten. Unsere Erfahrungen mit der Fiebertherapie belegen, dass mit dieser Maßnahme zahlreiche Immunparameter in die Richtung zur Norm verändert werden können. Dazu zählt die Aktivierung von T4-(Helfer-)Lymphozyten, Reduzierung von T8-(Suppressor)- Lymphozyten, Ausgleich des B-T-Lymphozytenstatus sowie Normalisierung der Zellaktivität (Monozytenaktivität) zur Objektivierung der zellulären Immunantwort. Auch wenn die Fiebertherapie in ein komplexes Therapiekonzept eingebettet ist, demonstriert die daraufhin erfolgende, sichtlich beschleunigte Immunrestauration, dass der Fiebereffekt eine zentrale Rolle in der Immunstimulation und -modulation spielen kann. Die immunologische Basis der Fieberwirkung ist also belegbar. Die eindrucksvollen Resultate der aktiven Fiebertherapie im ersten Drittel unseres Jahrhunderts haben so ihre Erklärung erhalten. (Mit der von Coley eingeführten bakteriellen Fiebervakzine wurden seinerzeit durchschnittlich bis zu 50 Prozent Langzeitremissionen bei histologisch gesicherten Krebs- und Sarkompatienten erzielt.) Damit bekommt die Immuntherapie als vierte Säule der Krebstherapie das notwendige Fundament. Zugleich eröffnet sich der aktiven Fiebertherapie als einer der natürlichsten Therapiemethoden ein wichtiges Feld in der Krebsbekämpfung. Sie findet Zugang in die allgemeine Onkologie.

Der Zusammenhang zwischen Fieber und Immunsystem wird auch klar, dass jegliche Unterdrückung von Fieber die Aktivierung der Immunkaskade verhindert oder abschwächt und damit für den Krankheitsverlauf von Nachteil sein muss. Bereits geringes Fieber führt dagegen zur Boosterung innerhalb der Immunverstärkerkette. Literaturhinweise und eigene Beobachtungen bestätigen die beim Krebspatienten gehäuft anzutreffende Tatsache, dass er selten Fieber hat. Wird dem Organismus die Chance genommen, auf einen äußeren Reiz mit einer ausreichenden Immunantwort zu reagieren, so nimmt man dem Immunsystem die Möglichkeit, Immunmediatoren zu bilden. Ein solchermaßen ständig suppremierter Organismus ist sicherlich nicht in der Lage, adäquat auf den immunologischen Reiz "Malignom" zu antworten.